Alibaba entwickelt eigenen KI-Chip
Alibaba arbeitet an einem neuen Halbleiter für Künstliche Intelligenz. Der Chip ist für das sogenannte Inferencing gedacht, also den praktischen Einsatz von KI-Anwendungen, nicht für das aufwendige Training großer Modelle.
Die Nachricht zeigt, wie stark chinesische Tech-Konzerne ihre Bemühungen verstärken, eigene Chips zu entwickeln. Grund sind die anhaltenden geopolitischen Spannungen mit den USA, die den Zugang zu amerikanischer Technologie erschweren.
Alibaba setzt auf eigene Chip-Strategie
Der neue Chip wurde bisher nicht offiziell vorgestellt. Laut Berichten soll er allerdings nicht verkauft, sondern ausschließlich in den Rechenzentren von Alibaba eingesetzt werden. Kunden können die Rechenleistung mieten, anstatt die Hardware selbst zu erwerben.
Alibaba arbeitet dabei weiterhin auch mit anderen Anbietern wie Nvidia zusammen. Nvidia-Chips können sowohl für Training als auch für Inferencing genutzt werden, während der Alibaba-Chip klar auf Inferencing fokussiert ist.
Geopolitische Hintergründe
Die Entwicklung fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen den USA und China. Anfang des Jahres hatte die US-Regierung Nvidia den Verkauf spezieller H20-Chips nach China untersagt. Diese Modelle waren ohnehin bereits abgespeckt, um Exportauflagen zu erfüllen. Nvidia darf inzwischen wieder liefern, muss aber 15 Prozent des Umsatzes an die US-Regierung abführen.
Viele chinesische Firmen fürchten, langfristig von amerikanischer Technologie abgeschnitten zu werden. Daher investieren Konzerne wie Alibaba, Baidu oder Huawei verstärkt in eigene Halbleiterlösungen. Huawei gilt mittlerweile als einer der wichtigsten Anbieter chinesischer KI-Chips.
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Milliarden-Investitionen in KI-Infrastruktur
Alibaba hat angekündigt, in den kommenden drei Jahren mindestens 380 Milliarden Yuan (rund 53 Milliarden US-Dollar) in KI-Infrastruktur zu investieren. Die Strategie zeigt Wirkung: Der Cloud-Bereich von Alibaba meldete zuletzt ein Umsatzwachstum von 26 Prozent im Jahresvergleich. Besonders die Erlöse aus KI-Produkten legten stark zu und wuchsen im achten Quartal in Folge dreistellig.
Das neue Chip-Projekt liegt bei Alibabas Halbleiter-Sparte T-Head, die zuletzt 2019 den Inferenz-Chip Hanguang 800 auf den Markt brachte.
Konkurrenzdruck im Chip-Markt
Neben Alibaba forschen auch andere chinesische Unternehmen an eigenen Chips. Cambricon, ein auf KI spezialisierter Designer, meldete jüngst einen Umsatzsprung von 4.000 Prozent und Rekordgewinne im ersten Halbjahr.
Während Nvidia-Chef Jensen Huang die US-Regierung drängt, den Export amerikanischer Chips zu erleichtern, schließen chinesische Anbieter zunehmend die Lücken. Alibaba dürfte mit seinem neuen Chip einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit von westlicher Technologie machen.
Fazit: Alibaba stärkt seine Position im globalen KI-Wettlauf. Mit einem eigenen Inferenz-Chip, massiven Milliarden-Investitionen und rasant wachsenden Cloud-Erlösen zeigt das Unternehmen, dass es den Druck aus Washington nicht nur aushält, sondern in eine strategische Chance verwandeln will.