Microsoft löst sich von OpenAI
Microsoft baut seine KI-Strategie um. Bisher stützte sich der Konzern stark auf die Modelle von OpenAI, um Funktionen wie den Copilot-Assistenten in Windows, Bing und Office zu betreiben. Nun testet Microsoft erstmals ein eigenes großes Sprachmodell öffentlich und will damit unabhängiger werden.
Microsoft startet mit MAI-1
Das neue Modell trägt den Namen MAI-1-preview und wird derzeit auf der Plattform LMArena getestet. Dort können Nutzerinnen und Nutzer verschiedene KI-Modelle bewerten. Microsoft kündigte an, das Modell in den kommenden Wochen in bestimmten Text-Anwendungsfällen innerhalb von Copilot einzusetzen. Ziel ist es, durch Nutzerfeedback das Modell kontinuierlich zu verbessern.
Entwicklerinnen und Entwickler können über ein Formular frühzeitigen Zugang beantragen.
Partnerschaft mit OpenAI bleibt bestehen
Trotz des neuen Ansatzes bleibt OpenAI ein zentraler Partner. Microsoft hat mehr als 13 Milliarden Dollar in das Start-up investiert und stellt über seine Azure-Cloud-Infrastruktur die nötige Rechenleistung bereit.
Gleichzeitig entwickelt sich die Beziehung aber zunehmend zu einem Wettbewerb. In seinem Jahresbericht listete Microsoft OpenAI bereits neben Amazon, Apple, Google und Meta als Konkurrenten auf. OpenAI wiederum setzt inzwischen auch auf andere Cloud-Anbieter wie CoreWeave, Google und Oracle, um die Nachfrage nach ChatGPT zu bewältigen. Der Chatbot erreicht inzwischen rund 700 Millionen Nutzer pro Woche.
MAI-1 im Vergleich
Auf LMArena belegte Microsofts Modell zuletzt Platz 13 bei Textaufgaben. Es lag damit hinter den Angeboten von Anthropic, DeepSeek, Google, Mistral, OpenAI und xAI.
Für das Training nutzte Microsoft nach eigenen Angaben rund 15.000 Nvidia H100-Grafikchips. Zudem verfügt das Unternehmen über einen funktionsfähigen Cluster mit den neuen Nvidia GB200-Chips.
KI WEEKLY
Wöchentliches KI-Wissen kompakt und verständlich — jeden Sonntag in deinem Postfach. Schließe dich 2500+ Abonnenten an!
Jeden Sonntag neu!
Wir respektieren deine Privatsphäre. Abmeldung jederzeit möglich.
Ambitionierte Pläne von Mustafa Suleyman
„Wir haben große Ambitionen für die nächsten Schritte – von Modellverbesserungen über neue Rechenkapazitäten bis hin zur Chance, Milliarden von Menschen über Microsoft-Produkte zu erreichen“, schrieb Mustafa Suleyman, CEO von Microsofts KI-Sparte, auf X.
Suleyman gilt als Schlüsselfigur im KI-Bereich. Zuvor war er Mitgründer von DeepMind, das 2014 von Google übernommen wurde. Später gründete er das Start-up Inflection, das mit OpenAI konkurrierte. 2023 wechselte er mit vielen Kolleginnen und Kollegen zu Microsoft. In den vergangenen Monaten kamen zudem rund zwei Dutzend Expertinnen und Experten von Googles DeepMind-Team zu Microsoft.
Von kleinen Modellen zu Foundation Models
Microsoft hat bereits kleinere Open-Source-Modelle unter dem Namen Phi veröffentlicht. Mit MAI-1-preview präsentiert das Unternehmen nun erstmals ein eigenes Foundation Model, das vollständig intern trainiert wurde.
Fazit: Microsoft bleibt eng mit OpenAI verbunden, baut aber gleichzeitig eine eigene KI-Infrastruktur auf. Mit MAI-1-preview will der Konzern zeigen, dass er nicht nur Partner, sondern auch Wettbewerber im globalen KI-Rennen ist.